TALENTE BERICHTEN: Beritan zum Home Schooling

Wir haben unsere Talente im Rahmen unserer Info-Reihe #gewusstwie zu aktuellen Themen wie z. B. Lernen Zuhause, Lernstrategien und -plattformen oder Entspannung aufgefordert zu erzählen, wie es ihnen gerade geht und was sie in den vergangenen Monaten so bewegt hat. Es haben uns einige Beiträge von Schüler*innen, Studierenden und Auszubildenden erreicht, die wir euch in der neuen Rubrik #gewusstwie – TALENTstimmen im O-Ton vorstellen wollen.

Heute berichtet Beritan, die gerade ihr Abitur an einem Gymnasium in Bielefeld gemacht hat,  von ihren Erfahrungen mit der ungewollten Auszeit der letzten Monate.

„Anfang des Jahres kam die Nachricht nach Deutschland, dass ein neuartiges Coronavirus in China ausgebrochen sei. Ich stand kurz vor den Vorabiturprüfungen und meine Woche war immer ziemlich durchgeplant. Montags hatte ich außerhalb der Schule muttersprachlichen Unterricht, mittwochs und donnerstags hatte ich Kung-Fu-Training und freitags, samstags arbeitete ich meist. In meiner Freizeit verbrachte ich dann Zeit mit meinen Freunden, der Familie, war und bin immer noch bei der Hochschulgruppe Unicef tätig oder war mit der Schule beschäftigt. Man könnte meinen, ich war dauerbeschäftigt, aber ich mochte das so. Ich mag es immer noch mit vielen Dingen gleichzeitig beschäftigt zu sein und die Herausforderung zu meistern, alles unter einem Hut zu bekommen. Doch dann, es war paradoxerweise Freitag, der 13., an dem ich mich aus gesundheitlichen Gründen für zwei Wochen von der Arbeit krankschrieb (gleich darauf hatte ich drei Wochen Urlaub), zurück in die Schule ging und die Nachricht rumging, dass heute beschlossen werde, ob die Schulen in Nordrhein-Westfalen geschlossen werden oder nicht. Irgendwie hatte ich es im Gefühl, dass dies der letzte “normale“ Schultag sein wird, meine letzte Stunde war Sozialwissenschaften. Ich weiß nicht, ob ich mich irrte, aber ich nahm bei vielen eine gewisse Heiterkeit wahr. Sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern.

Plötzlich hatte ich viel mehr Freizeit, war nicht mehr dauerbeschäftigt, sondern im ersten Moment dauerunbeschäftigt. Natürlich musste ich mich erst wieder neu sortieren und nahm mir auch Zeit dafür. Ich bin sehr in Geschichte und Literatur interessiert und es ist interessant aus geschriebenen Texten zu entnehmen, wie ähnlich die Menschen während der Pandemien nach dem ersten Weltkrieg und Ende des 19. Jahrhunderts reagierten. Auch sie waren Zeugen einer nicht anhaltenden Modernisierung, wegen der Zweiten Industriellen Revolution. Nicht nur sie heilten von dem Alltagsstress, der Hetze und dem zwanghaften Einfügen in die moderne Technik und der allgemeinen Modernisierung, sondern auch die Erde. Man sagt immer, dass sich Geschichte wiederholt.

Auf den sozialen Netzwerken war zu sehen wie viele Influencer aber auch andere die Zeit nutzen wollten, um sich zu erneuern und modifizieren. Ich persönlich finde nicht, dass es viel Sinn macht gerade jetzt seinen kompletten Lebensstil zu verändern, weil man diesen in den üblichen Alltag integrieren sollte, denn eine Pandemie und eine wochenlange Kontaktsperre kommt nicht jedes Jahr. Ich jedenfalls habe die Zeit genutzt, mich zum einen auf die kommenden aber vielleicht auch nicht kommenden Abiturprüfungen vorzubereiten aber zum anderen mich mit Themen zu befassen, die mich seit langem interessierten, mich mit mir selber zu befassen, zu schauen wie es die nächsten Monate weitergehen soll und da ich eine relativ große Familie habe, habe ich mich nicht wirklich einsam gefühlt. Natürlich es war schwierig auf all die zuvor selbstverständlichen Aktivitäten zu verzichten, doch glaube ich, dass viele Menschen in meinem Umkreis sich neu gefasst haben und die Pause dringend benötigten. Ich bin ein Mensch, der gerne reist, alle paar Monate irgendwo und irgendwie wegmöchte, doch durch die Corona-Krise habe ich gelernt die Dinge, wie sie jetzt gerade in meiner Heimatstadt sind, zu schätzen und zu genießen, auch wenn man diese Erkenntnis bereits von vielen Menschen gehört hat. Ich glaube auch, dass vielen Geschäftsreisenden und anderen Leuten, die aufgrund ihres Berufs viel reisen, durch die Corona-Krise bewusst geworden ist, dass der Zug einen auch von der einen Stadt in die nächste bringt und Videokonferenzen eine Alternative darstellen können.

Mit den wenigen Online-Angeboten, die ich genutzt habe, habe ich nur gute Erfahrungen gemacht, doch ist es etwas anderes von den eigenen vier Wänden aus mit fremden Menschen über Zoom zu sprechen, zumal man üblicherweise (so ist es zumindest bei mir) nur mit engen Freunden videochattet.

Für das restliche Jahr habe ich hauptsächlich nur Pläne, die für meinen zukünftigen Bildungsweg wichtig sind, doch nächstes Jahr werde ich, wenn möglich die Pläne nachholen, die durch Corona ausgefallen sind. Allerdings hat mich die Pause von der Arbeit und die Corona-Krise dazu gebracht mir eine neue Arbeit zu suchen, die mir mehr Spaß macht, als die jetzige.“

Autor: Beritan Dik